Dolci-Alarm – Grandiose italienische Süßspeisen, Teil 1

Wir waren mal wieder in Italien und haben diesmal eine Rundreise nach Apulien, Kalabrien und Sizilien gemacht. Besonders im Fokus waren diesmal die sensationellen italienischen Dolci, also verschiedenste Varianten von Süßspeisen – neben einigen wunderschönen Orten und traumhaften Landschaften und Stränden natürlich.

In diesem Beitrag habe ich Dir unsere neuesten Lieblinge zusammengestellt.


Rom / Lazio – Maritozzi

Ein Maritozzo ist ein weiches, leicht süßes Hefebrötchen aus Rom und der Region Lazio, gefüllt mit einer großzügigen Menge Schlagsahne. Es gehört zu den traditionellsten römischen Frühstücksspeisen.

Die Wurzeln der Maritozzi reichen bis in die Antike zurück. Bereits im antiken Rom gab es schon gesüßte Brötchen aus Mehl, Honig und getrockneten Früchten. Diese frühen Formen gelten als die Vorfahren des Maritozzo.

Im Mittelalter wurden Maritozzi besonders während der Fastenzeit (Quaresima) gegessen.
Sie enthielten Nüsse, Rosinen, kandierte Früchte und etwas Honig oder Zucker. Sie dienten als süße Ausnahme während der Fastenregeln.

Der Name kommt von „marito“ = Ehemann und der Verkleinerungsform „maritozzo“ = kleiner Ehemann / kleiner Bräutigam. Der Hintergrund hierzu ist, dass es im 18. und 19. Jahrhundert Tradition war, dass Männer ihrer zukünftigen Frau am 1. Freitag im März (einem alten „Liebes-Tag“) einen Maritozzo schenkten. Und das Besondere: Im Inneren versteckten sie ein kleines Geschenk (z. B. einen Ring, ein Schmuckstück oder eine Liebesbotschaft). Der Maritozzo wurde dadurch ein Symbol für Liebe, Treue, Verlobung und Zuneigung. Aus „marito“ (Ehemann) wurde so die liebevolle Bezeichnung „maritozzo“.

Heute sind Maritozzi eines der beliebtesten Frühstücksgebäcke in Rom und sind dort in fast jeder Bar erhältlich – oft frisch aufgeschnitten und mit luftig geschlagener Sahne gefüllt.

Beißt man in ein Maritozzo, lässt es sich zwar kaum vermeiden, dass man sich das halbe Gesicht mit Sahne verschmiert, aber die Leichtigkeit, die Fluffigkeit, der himmlische Genuss ist das auf jeden Fall wert.


Kampanien (Neapel, Amalfi, Capri) – Sfogliatella riccia

Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

„Sfoglia“ = Blätterteig bzw. „Schicht/Blatt“, das bezieht sich auf die vielen dünnen knusprigen Schichten des Gebäcks. Mit der Verkleinerungsform „-atella“ bedeutet Sfogliatella soviel wie „kleines Blätterteigteilchen“.

„riccia“ bedeutet „kraus, gerollt“ und beschreibt die typische muschelartige, gewellte Form, bei der die Teigschichten wie ein Fächer oder eine Muschel auseinandergehen.

Die Geschichte dieser Köstlichkeit beginnt nicht in Neapel, sondern überraschenderweise in einem Kloster an der Küste: im 17. Jahrhundert. Im Kloster Santa Rosa nahe Amalfi, zwischen Positano und Vietri sul Mare lebten Nonnen die nach der Legende übrig gebliebenen Grießbrei mit Ricotta, Eierlikör, Zucker und Zitronenzesten mischten. Für die Hülle verwendeten sie extrem dünn ausgezogenen, mehrfach gerollten Teig. Das Ergebnis war ein völlig neues Gebäck. Dieses erste Gebäck hieß Sfogliatella Santarosa. Es war größer, höher und oben mit einer Cremehaube und Amarena-Kirsche.

Etwa zwei Jahrhunderte später entdeckte ein neapolitanischer Bäcker namens Pasquale Pintauro die Sfogliatella Santarosa. Er verkleinerte sie, machte die Schichten feiner und knuspriger, veränderte die Füllung (mehr Ricotta, weniger Eierlikör), ließ die Kirschhaube weg und entwickelte das typische Muschel-Design. So entstand die heutige Sfogliatella riccia (neapolitanische Version). Pintauro verkaufte sie in seiner Pasticceria in der Via Toledo in Neapel.

Die Sfogliatella riccia ist aufwändig in der Herstellung aber ein unglaublich knuspriges und extrem leckeres Meisterwerk. Beißt man hinein, spürt man den unglaublichen Crunch, bevor man die leckere Süße auf der Zunge schmeckt und sich anschließend ein wundervoller Gesamtgenuss im Mund entwickelt.


Neapel – Babà

Der Begriff „Baba“ stammt ursprünglich aus dem Polnischen, hier steht baba oder babka für „alte Frau“, „Großmutter“ aber auch für einen traditionellen, hohen Hefekuchen, der an einen langen Rock („baba“ = Frau in weitem Kleid) erinnert. Dieser Kuchen wurde besonders zu Ostern gebacken. Der erste Baba war also ein polnischer Festkuchen.

Reise nach Frankreich: Wie der „Baba au rhum“ entstand. Im 18. Jahrhundert kam der polnische König Stanisław Leszczyński, der im Exil in Frankreich lebte, wieder mit der polnischen babka in Kontakt.

Die Legende besagt, dass der König die „Babka“ zu trocken fand. Entweder er selbst oder seine Köche in Lothringen tränkten den Kuchen mit Rum oder Süßwein, um ihn saftiger zu machen. Die französische Hofküche verfeinerte das Rezept weiter. So entstand Baba au rhum – die französische Version des Rumkuchens Diese Version war kleiner, saftiger, aromatischer und deutlich süße als die polnische Babka.

Die Perfektion in Neapel: Der heutige „Babà“. Über Frankreich gelangte der Baba im 19. Jahrhundert nach Neapel, wo er zu dem wurde, was wir heute kennen – ein kleines, schwammiges Gebäck, das kräftig in Rum getränkt ist, manchmal gefüllt mit Sahne oder Crème und ein Symbol der neapolitanischen Konditorskunst.

Mehr als 300 Jahre Tradition haben eine Süßspeise ergeben, die durch ihre weiche Konsistenz und den intensiven Rumgeschmack unverwechselbar einzigartig und lecker ist.


Apulien – Pasticciotti

Pasticciotti - köstliche Süßspeise

Pasticciotto ist eine traditionelle süditalienische Süßspeise, die ihren Ursprung in der Region Apulien (Puglia) hat – genauer gesagt in Galatina, einer Stadt in der Provinz Lecce im Salento (also ganz im Süden der Adria).

Es handelt sich um ein kleines, ovales Gebäck aus Mürbeteig (Pasta frolla), gefüllt mit klassischerweise Crema pasticcera (italienische Vanillecreme), manchmal auch mit KirschenSchokoladeRicotta oder Pistaziencreme verfeinert. Außen ist es knusprig-golden gebacken, innen cremig, warm oder zimmerwarm serviert – perfekt zu Espresso oder Cappuccino.

Die Legende besagt, dass der erste Pasticciotto im Jahr 1745 in der Pasticceria Ascalone in Galatina entstand.
Der Konditor Nicola Ascalone soll damals eigentlich ein anderes Gebäck backen wollen – hatte aber zu wenig Teig und zu viel Creme übrig. Also machte er kleine Förmchen mit dem Rest, füllte sie mit Creme, backte sie – und das Ergebnis war so köstlich, dass das „Missgeschick“ (pasticcio = „Durcheinander“ oder „Mischmasch“) namensgebend wurde: „Pasticciotto“ = das kleine Durcheinander.

Ein Pasticciotto isst man nicht einfach, man sollte es zelebrieren. Von außen ist es unscheinbar doch wenn man hineinbeisst und durch den mürben Teig gedrungen ist, ergießt sich die super-leckere Füllung auf die Zunge und man fühlt sich wie im siebten Himmel.


Pizzo / Kalabrien – Tartufo

Der Tartufo hat seine Wurzeln in Süditalien, genauer in Pizzo in Kalabrien, und entstand dort in den frühen 1950er-Jahren. Als Erfinder gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Konditor Giuseppe De Maria, genannt Don Pippo. Der Legende nach entstand das Dessert eher zufällig: Bei einem Fest sollen Formen für die Eiskugeln gefehlt haben, sodass De Maria zwei verschiedene Eissorten mit den Händen formte, in der Mitte eine Füllung aus geschmolzener Schokolade versteckte und das Ganze anschließend in Kakaopulver wälzte. Das Ergebnis erinnerte optisch an einen unregelmäßigen, leicht erdigen Klumpen – und genau das führte zum Namen.

Der Begriff „Tartufo“ stammt nämlich vom italienischen Wort für „Trüffel“, also den unregelmäßig geformten Edelpilz. Die Ähnlichkeit des Eisdesserts mit einem schwarzen Trüffel war so auffällig, dass der Name sich schnell durchsetzte. Später entwickelten sich regionale Varianten, etwa mit Haselnüssen, Früchten oder Likör, doch das Grundprinzip blieb immer gleich: eine kugelige Form aus zwei Eissorten mit einem weichen Kern, umhüllt von Kakao, Nüssen oder Schokolade. Bis heute gilt der Tartufo aus Pizzo als das originale und geschützte Traditionsprodukt dieser Dessertform.

Wenn Du einmal nach Pizzo kommst, dann lass Dir diese Köstlichkeit nicht entgehen – ein Tartufo von hier ist nicht vergleichbar mit allem was Du aus einer normalen Eisdiele kennst.

Pizzo, Blick von der Festung aufs Meer
Pizzo, Blick von der Festung aufs Meer

Sizilien – Cannoli

Der Begriff Cannoli stammt vom sizilianischen Wort „cannolu“, was wörtlich „kleines Rohr“ oder „kleine Röhre“ bedeutet. Das leitet sich wiederum vom italienischen „canna“ = Rohr / Schilfrohr ab. Früher hat man die Teigblätter tatsächlich um echte Schilfrohre (canna) gewickelt und dann frittiert, damit die typische röhrenförmige Form entsteht.

Es gibt zwei Haupttheorien über den Ursprung dieser Köstlichkeit:

1. Arabischer Einfluss (9.–11. Jahrhundert)

Sizilien war mehrere Jahrhunderte lang von Arabern (Sarazenen) besetzt. Diese brachten aus ihrer Heimat neue Zutaten mit, wie Ricotta aus Schafsmilch, Honig & Zucker, kandierte Früchte und frittierte Teigwaren. Viele sizilianische Süßspeisen (Granita, Cassata, Cannoli) haben nachweislich arabische Wurzeln.

Ursprünglich sollen Cannoli eine arabische Festtagsspeise gewesen sein, mit frittiertem Teig, süßer Creme und Nüssen oder Früchten. Die sizilianische Weiterentwicklung machte sie dann zu dem, was wir heute kennen.

2. Entstehung im Nonnenkloster bei Caltanissetta

Gemäß einer berühmten Legende sollen Nonnen in einem Frauenkloster in Caltanissetta (Zentralsizilien) zur Faschingszeit ein neues Gebäck als Hommage an die Fruchtbarkeit und den Frühling entwickelt haben. Der Name „Cannolo“ bezog sich auf den heiligen Brunnen oder die Rohre im Kloster, aus denen Wasser lief. Noch heute gelten Cannoli in vielen Orten Siziliens als typisches Faschingsgebäck.

Auch wenn es wahrscheinlich komplexere italienische Dolci gibt, sind Cannoli dennoch einen Versuch wert. Außen knackig und innen eine herrlich cremige Ricotta-Füllung ergeben eine leckere Süßspeise.

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